Yeti on tour in Athens
Oder: wie bekloppt kann ich noch werden?

Tag 1: 18.05.2002

Nach einer einfach GENIALEN Deutschlandtour von Blind Guardian verbringe ich die Tage danach fast fern der Realität. Die Tour war grandios, das BESTE und GENIALSTE, was ich bislang erleben durfte!!! Was eignet sich da besser, diese Erlebnisse zu verarbeiten und darüber (in großen Mengen *g*) zu berichten, als das Blind Guardian-Forum im Internet? Also mülle ich das bis zum Abwinken voll...

Am Montag auf Arbeit packt es mich dann. Ich bin einfach süchtig nach dieser genialen Band und weiß beim besten Willen nicht, wie ich es bis WACKEN aushalten soll, mit dem Wissen, daß sie derweil woanders auftreten! Ich suche mir in der Mittagspause (ein Hoch auf die selbstgeschmierten Stullen!) ein paar passende Flüge nach Griechenland heraus und suche nach dem Venues. "Saloniki" bereitet mir Schwierigkeiten - immer finde ich nur "Thessaloniki" und einmal einen ähnlich klingenden Ort ca. 150 km südlich davon. Doch woher soll ich wissen, ob "Thessaloniki" die gleiche Stadt wie "Saloniki" ist? Also konzentriere ich mich auf Athen und fahre nach Feierabend sofort in ein Last Minute Reisebüro.
So schnell habe ich zwei Flugtickets nach Athen (eins hin und eins zurück) in der Hand!! Und das, wo ich kaum weiß, wo Griechenland überhaupt liegt...

Ich komme ca. 21:00 Uhr Ortszeit (20:00 Uhr in Deutschland) am Syntagma an. Das Touri-Zentrum hat natürlich schon zu, aber ein supernetter Athener zeigt mir den Weg zu mehreren im Zentrum gelegenen Jugendherbergen auf dem Stadtplan .Im zweiten Hostel habe ich Glück und kriege das letzte freie Bett. :-)

Am nächsten Morgen schaue ich mir die schönsten Sehenswürdigkeiten Athens an und mache mich auf die Suche nach einem Ticketshop, um mir Konzertkarten für die beiden Konzerte zu besorgen. Leider sind beide Konzerte bereits ausverkauft! Nun gut, sage ich mir, kein Grund zur Panik. Als Einzelperson bekommt man immer irgendwie was!

So fahre ich zurück zum Hotel, dusche und mache mich konzertfertig. Schnell noch einen Zettel mit "I need a TICKET" vorbereitet, mache ich mich auf den Weg zum Rodon, dessen genaue Position ich vom Ticket House-Verkäufer bekommen habe. Um 17:00 Uhr komme ich dort an und kann an der geöffneten (!) Abendkasse noch zwei Tickets für beide Tage erwerben. Schwein gehabt! Ich geselle mich zu den ca. 30 Fans, die bereits das Rodon belagern und sehe ihnen zu, schon aufgeregt auf den Abend. Konzertbeginn soll übrigens laut Internet erst 21:00 Uhr sein...
Ab 18:00 Uhr fangen die ankommenden Securities (schon faszinierend: DIE sehen in jedem Land gleich aus! Die einzige Ausnahme bildete bislang die Hafenbahn Offenbach) an, die Fans zu sortieren und vor der Eingangstür zu plazieren. Ich lerne zwei Fans kennen, die aus Israel angereist sind, um Blind Guardian zu sehen und unterhalte mich gut mit einem Griechen, der mir die obere Etage empfiehlt. Ich ziehe aber doch unten vor und ergattere einen Platz in der zweiten Reihe. Die Griechen sind ein außerordentlich feier- und singfreudiges, extrem nettes Volk! So werden die zwei Stunden Wartezeit vor der Bühne auch nicht so lang. Bei DER Stimmung im Saal und der guten Mucke (lauter Metalklassiker, bei Judas Priests "Painkiller" kocht der Saal bereits) ist gar keine Support-Band notwendig! Grandios! Ich habe eine Menge Spaß. :-)))

Dann endlich gehen die Lichter aus und das Konzert beginnt. Die Bühne ist ähnlich spartanisch ausgerüstet wie bei Freedom Call auf der Deutschlandtour. Blind Guardian haben lediglich nach hinten etwas mehr Platz, sogar die Beleuchtung ist wie bei Freedom Call vergleichbar dämmerig. Ich glaube, ich bin verwöhnt... *g*

Mit Beginn des Intros, dem War Of Wrath, fängt die von Düsseldorf und Bremen bestens bekannte Kuschelei an, aber die Griechen sind trotz allem sehr rücksichtsvoll. Außer ein paar Füßen und Haaren (das MUSS sein! Ist schließlich ein METALKONZERT! LOL) bekomme ich kaum etwas ab, was mir fast schon zu lieb vorkommt. *ggg*
Mit Ausnahme des Intros singen die Athener jedes Lied so laut und impulsiv mit, daß ich Hansis Gesang kaum noch höre! Der Sound kommt mir ohnehin etwas übersteuert vor, aber das mag auch an meiner Position (mal wieder direkt vor der PA) liegen. In Düsseldorf habe ich soundmäßig auch nicht allzuviel mitbekommen, ich stand dort zwischen den Boxen, die einen Riesensaal zu beschallen hatten.
Hier die Setlist, die ich auf meinem glücklicherweise nutzlos gewordenen Ticket-Such-Zettel notiert habe:

· War Of Wrath
· Into The Storm
· Welcome To Dying
· Nighfall
· The Script For My Requiem
· Harvest Of Sorrow
· Under The Ice (hier gehen die Griechen nochmal richtig ab)
· Run For The Night
· Valhalla (es wird eng)
· The Soulforged (noch enger...)
· Mordred's Song
  (nach dem Ende des Songs springt ein Fan auf die Bühne, kniet vor Hansi nieder und macht sich wieder ins Publikum - Hansi ist völlig von
  den Socken)
· Punishment Divine (die Griechen lassen mit ihrer Sangesfreude nach, das mag nicht nur am Gedränge, sondern auch an der Hitze und
  Wassermangel liegen...)
· The Bard's Song: In The Forest (mit Abstand der lauteste und schrägste bisher! LOL)
· Imgainations From The Other Side

Zugaben:

· Lost In The Twilight Hall
· Time Stands Still (At The Iron Hill) (...und ich hatte A Past And Future Secret erwartet!)

Zweite Zugabe:

· A Past And Future Secret (na endlich *g*)
· Mirror Mirror

Ab dem Punishment Divine hatten die Griechen mit Singen nachgelassen und zum Bard's Song: In The Forest noch mal alles gegeben. So ließ denn auch nach dem Bard's Song mit dem Gesang die Bewegungsfreude nach. Ich kam selbst kaum zum Bangen. Nicht nur wegen Platzmangel nach vorn: Mein Hintermann hatte mir durch bloße Anwesenheit die Haare an den Rücken angetackert! *g*

Nach dem Konzert war ich genauso naßgeschwitzt (das meiste davon war wie so oft anderer Leute Schweiß *ggg*) wie nach Bremen, nur, daß ich kein Ersatz-T-Shirt dabei hatte. Kurz zum Klo, waschen, habe ich mich sofort zum Merchandising-Stand begeben, wo der Andrang fast stürmischer, auf jeden Fall aber rabiater war als in der zweiten Reihe!! Irgendwie habe ich es aber doch nach vorn geschafft und feststellen müssen, daß die von zwei Forumsbesuchern bei mir bestellten T-Shirts vergriffen waren!! Ich habe nur noch das "A Night In The Opera"-Shirt kaufen können. So ein Mist!!

Ich bleibe noch bei der Halle, bis sich die Band auf den Weg zum Bus macht. Ich bin platt, was noch vor der Halle los ist. Das ist ja fast wie Hollywood-Premiere!! Securities halten die Fans unter Kontrolle, lassen einen Gang von der Halle zum Bus frei. Nachdem alle eingestiegen sind, wird der Bus - wie in Hollywood - belagert und fotografiert. Ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen. Herrlich!!!
Bandwinkender Weise fährt der Bus ab und ich mache mich, immer noch naßgeschwitzt, auf den Heimweg.

Tag 2: 19.05.2002

Ich nutze den Vormittag für ein Bischen mehr Sightsseing.

Als es ca. 15 Uhr ist, gehe ich zurück ins Hotel, dusche schnell und mache mich für den Abend fertig. Kurz noch was bei McD (wo ich einer Truppe Französinnen übersetzen mußte, was "Ice coffee" auf französisch heißt - nee, nee) zu essen geholt, komme ich kurz vor 17 Uhr am Rodon an - und ca. fünf Minuten zu spät!! :-( Der Blind Guardian-Bus fährt gerade ab, die Band wird noch von Fans um Autogramme und Fotos gebeten. Ich stelle mich lachend an eine Säule des Rodons und amüsiere mich über die Belagerung.

 

Nachdem meine Götter drinnen sind, setze ich mich wie am Vortag auf den Metallzaun und reiße mir meine importierte Dose Holsten Pils auf.Ein paar Griechen sind schwer beeindruckt von meinem Tattoo, das gut sichtbar auf meinem Arm prangt, da ich im Gegensatz zum Vortag ein


Maria, Nick of Greece, ich, Kathrine & Abraham

ärmelloses Shirt trage. Ich habe geradezu Mühe, nicht rot zu werden!! Ich freunde mich mit einer Clique - Kathrine, Maria, Nick, Abraham und Franky - gut an und wir haben eine Menge Spaß zusammen vor der Tür. Beim Anstellen (wie am Vortag ab 18 Uhr) trällern wir sämtliche Guardian-Songs schön laut durch die Gegend. *ggg*
Kathrine findet meinen Schlüsselbund-Ohrring faszinierend, ich lobe ihre Streitaxt. Plötzlich nimmt sie ihren Ohrring ab und schenkt ihn mir einfach! Ich bin ziemlich platt und schwer beeindruckt. Ich gebe ihr stattdessen mein Schlüsselbund-Gehänge, das ich seit über fünf Jahren konstant getragen habe. Die Guteste ist überglücklich!
Die Israelis vom Sonnabend stehen in Reichweite und wir wechseln noch ein paar Worte miteinander.

Maria mit ihrem Autogramm von André

Als die Tore sich endlich öffnen, stürme ich nach oben und ergattere den gewünschten Platz in der ersten Reihe. Eine coole Aussicht ist das von hier oben!! Kathrine, Nick und Abraham gesellen sich zu mir, während Maria und Franky sich auf meinen gestrigen Platz in der zweiten Reihe drängeln, da die erste wieder hoffnungslos besetzt ist.
Der Saal füllt sich recht schnell und auch, wenn die Konserven-Musi nicht ganz so cool ist wie am Vortag, ist die Stimmung super.
Als endlich die Lichter ausgehen, haut es mich von den Socken. Die Menge unten klatscht und brüllt "Guardian!!" wie es mich an das Queen-Video "Radio GaGa" erinnert in der Szene, wo Freddy an der Uhr dreht und Menschenmassen synchron klatschen erinnert. Genauso!! Genauso ist es hier, nur, daß die Menschen durcheinanderstehen und verschiedene Klamotten anhaben... ALLE! Aber auch wirklich ALLE machen mit!!! WAS für ein ANBLICK! Mir bleibt echt die Luft weg. WAHNSINN! Bin ich froh, hier oben zu stehen und das sehen zu dürfen!!! Das hätte ich dort unten NIE so mitbekommen!!

Und so dauerte es denn auch nicht mehr lange und das Intro War Of Wrath ertönte. Die Athener waren kaum zu halten, sprachen nicht, wie ich es aus Deutschland gewohnt bin, geschlossen mit, sondern stimmten bei Thomens Erscheinen in einen Jubelsturm los, in dem schon fast unterging, wie die beiden Gitarrenhelden Marcus und André die Bühne betraten. So legten sie denn unter lautem Jubel der Athener mit Into The Storm los.
Wie schon vom Vortag beschrieben - das hellenische Volk ist atemberaubend!!! Bis zur letzen Ecke heben sich alle Arme im Takt, die Sangesfreude der Metalheads ist unbeschreiblich! Auch an Blind Guardian geht diese einmalige Eintracht nicht spurlos vorüber.

Nach Under The Ice kommt Hansi nicht zu seiner geplanten Ansage. Die Menge schreit dieses Mal nicht "Guardian", sonder einstimmig "Majesty", was gemäß seinem "Ich stehe nicht auf Zurufe! Ich bin ein Sadist..." erst ein festes "No" zur Folge hat, das die Athener nur noch zu intensiverem Rufen veranlaßt. Das zweite "No" läßt dann auch schon an Nachhaltigkeit nach und dem dritten ist nicht mehr zu überhören, daß es nicht ernstgemeint ist. So kommt denn auch ein eiliges, fast kleinlaut anmutendes "OK" Sekundenbruchteile vor den ersten Takten des geforderten Majestys.

Zum Ende des Songes wirft ein Fan aus dem vorderen Party-Pulk (nein, Pogen ist das nicht, das ist ausgelassenes Feiern! SO gehört sich das!! *g*) Hansi ein Tuch zu, das er zwar erst gegen die Schulter kriegt, aber geschickt fängt, bis zum Ende des Liedes in der Hand behält und hinterher hinter die Bühne bringt, an deren Rand er kurz darauf trinkend wieder bis zum nächsten Song erscheint.

 

Nach Majesty so angefeuert, kündigt er denn auch entsprechend enthusiastisch Valhalla an, das den Saal wieder zum Überkochen bringt. Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Die Athener sind der pure WAHNSINN!!!!

Ich bin mir ziemlich sicher, daß DIESES Valhalla auf die Livescheibe kommen wird, das ist nicht mehr zu toppen!! Warum haben sie HIER bloß keine Kameras für die DVD? (Anm.: Klar, wegen fehlendem Licht, fehlender Pyros...) In mir drückt der Stolz, DAS erleben zu dürfen!!

Für den nächsten Song sind keine drei Akkorde notwendig, um die einstimmige Fangemeinde in einen lauten Oh-oh-Chor zu verwandeln. So laut, daß die Gitarren kaum dagegen ankommen. Und so weit ich von oben auch wegstehen mag, das Grinsen steht den Helden auf der Bühne ins Gesicht geschrieben! Und so ist es auch nicht notwendig, den Traveller In Time anzukündigen.

Der nachfolgende Soulforged bringt wieder mehr Unruhe in das einträchtige Gemenge der hellenischen Metalheads. Brillant, wie der Song sein mag, er hat keine eingängigen Refrains, bei denen das Publikum sofort mitgehen könnte. Dafür ist der Song wie die meisten der A Night At The Opera einfach zu kompliziert. Was dem Song jedoch nichts an Genialität und Magie auf der Bühne nehmen kann.

 

Was die Menge danach zu hören bekommt, läßt ihr wiederum kein Halten: Time What Is Time, das zusätzlich zur eigentlichen Setlist eingeschoben wurde und wiederum von den Athenern Wort für Wort getragen wird.
Hierauf folgt Punishment Divine und der lang ersehnte Bard's Song: In The Forest. Muß ich wirklich noch niederschreiben, was im Rodon-Club los war? Wer mein Geschreibsel auchnur halbwegs aufmerksam gelesen und ein wenig Phantasie hat, möge von dieser nun Gebrauch machen!

Ein besonderes Publikum wie dieses braucht auch ein besonderes Programm, und so folgt wie in Bremen nach Teil 1 des Bard's Songs auch Teil 2: The Hobbit.
Sehnsüchtig flimmert mir kurz vor Augen unsere kleine Gemeinschaft vor der Tür wartend auf, wie wir genau den geträllert haben und nun wollen mir partout die Lyrics nicht mehr in den Sinn kommen! Shame over me, ich hirntotes etwas!

Kaum zu toppen wird das Konzert mit Imaginations From The Other Side

abgerundet. Hatte ich am Vortag noch das Gefühl, daß zum letzten Viertel den Metalfans im wahrten Sinn des Wortes zumindest sangestechnisch die Puste ausginge, ist heute unten die Hölle los, als wären die Bards gerade erst auf die Bühne gekommen!

Den Zugabe-Rufen kann ich mich nicht anschließen, ich MUSS einfach versuchen, diese Menge fototechnisch zu erfassen. Das glaubt mir in good old Germany sonst KEINER!
Es dauert nicht lange, und die erste Zugabe wird mit Lost In The Twilight Hall eingeläutet. Die Stimmung im Saal kocht danach noch höher, als es mit Journey Through The Dark weitergeht.
Wie schon am Sonnabend sind die Zugaben in zwei mal zwei aufgeteilt, so daß die Athener die Barden ein zweites Mal auf die Bühne fordern müssen, bevor sich A Past And Future Secret anschließt und der Gig mit Mirror Mirror endgültig endet.

 

Ein HAMMERKONZERT!!!

Ach ja, die vollständige Setlist..: ;-)

· War Of Wrath
· Into The Storm
· Nighfall
· The Script For My Requiem
· Harvest Of Sorrow
· Under The Ice
· Majesty
· Valhalla
· Traveller In Time
· The Soulforged
· Time What Is Time *
· Punishment Divine
· The Bard's Song: In The Forest
· The Bard's Song: The Hobbit
· Imaginations From The Other Side

Zugaben:

· Lost In The Twilight Hall
· Journey Through The Dark

Zweite Zugabe:

· A Past And Future Secret
· Mirror Mirror


Der Rodon-Club hat an den Theken schon vorsorglich Unmengen an kostenfreien Wasserbechern bereitgestellt, das von den Metalheads dankbar angenommen wird. So denn auch von uns: Kathrine, Nick of Greece, Abraham und mir.

Auf dem (obligatorischen) Gang zum Klo sehe ich die beiden Mercher, völlig neben sich, auf der Treppe herumsitzen. Nie um einen dämlichen Spruch verlegen, haue ich sie an, wieso sie sich denn hier so herumlangweilen könnten. "Alles ausverkauft" bekomme ich zur Antwort. "Wie - alles ausverkauft?" - "ALLES WEG!" Die Hellenen haben glattweg den kompletten Merchstand leergekauft!! Auch DAS habe ich noch nicht erlebt.... Komplett ausverkauft.... Wahnsinn!!!
Nach dem Klogang habe ich meine griechischen Freunde aus den Augen verloren und geselle mich zu Tomomi, um mich mit ihr zu unterhalten.
Ich frage sie ein wenig über Japan aus. Ihre Berichte vom Wetter mutmaßen mir horrend an: extreme Schwüle bei großer Hitze. Langsam keimen in mir Zweifel auf, daß Japan sich als keine so gute Idee erweisen könnte, sollte ich die Reise tatsächlich antreten wollen. Fremde Schriftzeichen, Japaner, die des Englischen nicht mächtig sind und extreme Preise; Dinge, die ich mir von verschiedenen Seiten habe berichten lassen, schafften es nicht, mich abzuhalten. Tomomis Wetterbericht hingegen....
Nun ja, es ist ja noch etwas hin. Noch habe ich auch Hoffnung, daß eine Einladung einer der drei kommen möge, mich "bei der Hand" zu nehmen. Selbst einladen tue ich mich allerdings nicht.
Erschwerend zum Thema Japan kommt hinzu, daß zeitgleich das Piteå Dansar och Ler mit Edguy und Sonata Arctica in Mittelschweden stattfindet und das Wochenende darauf das geheiligte WACKEN, das ich um keinen Preis der Welt verpassen mag. Was mache ich nur...?
Nun, im Moment beschränke ich mich darauf, neben den Zweifeln eine zu rauchen und an meinem Wasser zu mümmeln....

Ich unterhalte mich noch mit Sascha, einem anderen netten Typen, dessen Namen ich mal wieder vergessen habe und dem zweiten Mercher (same procedure... Scheiß Gedächtnis!), bevor ich mit der Band *griiiins* aus der Halle geschmissen werde.
Dafür finde ich meine Athener wieder, oder besser: sie mich. Wir bleiben noch eine Weile vorm Rodon, bis sich alle anderen Fans längst in alle Himmelsrichtungen verteilt haben und sinnieren über das Erlebte.

 

Zur Erinnerung an diesen einmaligen Tag bemalen wir den Metallzaun und Laternenpfahl vorm Rodon, artig von meinem Fotoapparat dokumentiert :-)
Die fünf bestehen darauf, mich zur U-Bahn zu bringen. Den Weg dorthin verbringen wir Guardian-Songs singend, gemäß des Abends alle Mann (Frau und Yeti *fg*) und in Eintracht. *g* Und Lautstark. Ein Ereignis, das auch die "Ottonormalathener" nicht ständig haben und wir daher, großartig, wie dieses Volk ist, nicht nur dumm angestarrt, sondern meist freudig angegrinst und beklatscht werden! In Tyskland hätte wahrscheinlich der nächste unausgelastete Nachhilfsrentner gleich die Polizei geholt...

An der U-Bahn angekommen verabschieden wir uns intensiv, traurig und glücklich zugleich voneinander. Dummerweise hat die U-Bahn bereits geschlossen. Der Montag ist bei den Griechen nicht frei, da sie Pfingsten später feiern als wir Mitteleuropäer. Nick bleibt noch einen Moment, besteht darauf, daß ich sicher in ein Taxi komme. Männer! *g* Manchmal sind sie mit ihrem Beschützerinstinkt alle gleich! Aber niedlich fand ich es schon :-)

 

Ich schreibe mit einem netten jungen Mann (da geh ich jetz mal nicht näher drauf ein *ggg*) nebenbei ein paar SMS und bin ich etwas aus dem Häuschen und mag noch nicht fahren. Nach eine Weile kommt aber keine weitere Antwort und so fahre ich in mein Hotel, wo ich dusche und überlege, ob ich die drei Stunden bis ich los muß, schlafen oder wachen soll. Ich packe meine Sachen soweit und entscheide mich für Schlafen.



Tag 3: 20.05.2002

Bis zum Bus klappt dann auch alles soweit recht gut - bis auf ein fehlendes Frühstück - und aufgrund der fehlenden Rush Hour um diese nachtschlafende Uhrzeit braucht der Bus auch nur eine ¾ Stunde statt der zwei Stunden vom Freitag bis zum Flughafen. So muß ich dort eben herumwarten, bis ich endlich einchecken kann und bin dann auch tatsächlich die erste (was Wunder). Ich kaufe mir ein völlig überteuertes, altes Baguette, von dem ich erst einmal fett Bauchschmerzen bekomme. Die ich aber über den Fund von drei DIO-CDs, die alle nur je 11 € kosten, schnell vergesse. Zugegriffen, lasse ich mich von der Stimme des Meisters in andere Welten begleiten.
In Düsseldorf angekommen, vergesse ich natürlich vor lauter Aufregung, den Shuttlebus und damit Zug zu kriegen, mein Taschenmesserchen im Fundbüro. Mal sehen, wie ich das wohl zurückbekomme... Naja. Jedenfalls klappt bis zum Hauptbahnhof Düsseldorf soweit alles ganz gut, bis mein ICE eine angekündigte halbe Stunde Verspätung hat. Klasse! *grummel*
Und ich wollte noch zum Ozzfest in der Braunschweiger Volkswagenhalle...
Nach gemütlichen 20 Minuten, die ich auf dem Bahnhof herumtrödele und mich unter der unbewachten Bezahl-Absprerrung des Bahnhofklos durchmogele (für DEN Preis erwarte ich gepflegte Toiletten!) beschließe ich dann doch lieber wieder hochzugehen. Ein Glück, wäre mir der dumme Zug ,der doch nur 20 Minuten Verspätung hatte, fast vor der Nase weggefahren!
In Hannover und mit der Straßenbahn an meiner Wohnung angekommen, stelle ich nur kurz meine Tasche in die Ecke und springe ins Auto, und auf nach Braunschweig!

Beim FBZ bekomme ich noch einen guten Parkplatz und finde, via Handy (ich hasse das.... Herumbrüllend durch die Gegend zu telefonieren) verabredet, meinen Bruder und seine Freundin sofort.

Wir suchen uns einen Sitzplatz links von der Bühne, ungefähr in der Mitte aus und picheln ein paar Bierchen. Ich bin von der riesigen Halle fasziniert und muß an Düsseldorf denken.
Als erstes treten die Punkrocker Bad Religion auf, die ich wider Erwarten recht witzig finde. Aber irgendwie kann ich bei Konzerten nicht dumm herumsitzen, wenn mich die Musik nicht langweilt. Keinen Song kennend, mische ich mich in den Poger-Pulk und poge das erste Mal so richtig durch die Gegend. Zum Punk gehört Pogen dazu - zum Metal nicht! ;-)
Stagediven traue ich mich, obwohl ich größte Lust dazu hätte, allerdings doch nicht, dazu stehen die Leute zu weit auseinander und lassen genügend andere fallen.

Nachdem ich mich ausgetobt habe, gehe ich zu den beiden zurück. Die nachfolgende Band ist Tool. Was soll ich sagen? Tool sind SCHEISSE. Man könnte meinen, die hätten ihren Grafikdesigner unter zuviel LSD gesetzt und scheinen sich ausschließlich auf ihre drei Grafikleinwände, auf denen das gleiche Bild läuft, zu verlassen. Denn sie bewegen sich nicht einen Furz und drehen dem Publikum sogar den Rücken zu. Ganz abgesehen davon, daß ich auch die Musik unerträglich finde...
Tina verkrümelt sich ohne ein Wort. Mein Bruder und ich machen uns, nachdem sie nicht wiederkommt, auf, sie in der riesigen Halle zu suchen. Ich sehe jemanden vorbeilaufen, der Drumtech Thommy verdammt ähnlich sieht. Ich laufe hinter ihm her, aber erwische ihn nicht mehr. Das hätte mich wirklich von den Socken gehauen, wenn es noch mehr so hammerkranke wie mich geben würden - am Morgen noch in Athen, am Abend in Braunschweig auf dem Ozzfest. Ich ärgere mich darüber, finde den Mann aber einfach nicht wieder. Genausowenig wie Tina, um die sich mein Bruder langsam aber sicher ziemliche Sorgen macht. Dafür treffe ich Martina, eine alte Schulfreundin aus dem Nachbardorf, die dort Security macht. Spaßig, spaßig, was so alles aus den Leuten wird!!
Ich versuche, meinen Bruder abzulenken und werfe noch ein Bier ein, mache ihm klar, daß ich hauptsächlich wegen ihm hier bin, weil ich schon seit Eeeewigkeiten kein Konzert mehr mit ihm zusammen gesehen hätte und daß seine Freundin auch auf sich selbst aufpassen könne.

Koryphäe Ozzy veranstaltet ein sehr witziges Konzert und bespritzt mit Vorliebe besonders einen bestimmten Security und mit seinen Wasserpistolen, die auf der Bühne herumliegen und eigentlich zur Dusche für die Fans gedacht zu sein schienen. Allerdings scheinen Athen, die Reise und das Bier ihre Wirkung zu tun - außerdem der Sitzplatz. Es dauert nicht lange, und ich kann mich nicht mehr dagegen wehren, einzuschlafen... Und das mir..!!!
Als das Konzert vorbei ist durchforschen mein Bruder, halb frustriert wegen Tina, halb belustigt über mich, und ich noch einmal die Halle und die Leute erfolglos auf der Suche nach ihr. Momente im Leben, wo ich wirklich froh bin, solo zu sein... ;)

Die Heimfahrt war der reine Horror. Ich hatte noch nie derartige Probleme, nicht am Steuer einzuschlafen. Aber 10 km vor dem Ziel wollte ich auch keinen Rastplatz zum Schlafen aufsuchen. Zum einen hatte ich nichts für meine Kontaktlinsen dabei, zum anderen mußte ich am nächsten Morgen wieder zur Arbeit, was ich mir dann sicher hätte abschminken können. Zumindest einen brauchbaren Zustand...
Aber ich habe es geschafft! Zu Hause angekommen, erhalte ich von meinem Bruder via Mobiltelefon die Nachricht, daß seine Perle sich zu Tool mit dem Taxi nach Hause gemacht hatte. Ganz toll! Und da kann sie nicht mal Bescheid sagen? *seufz* Nun denn, er muß sich mit ihr auseinandersetzen, nicht ich.

Ich mache mich ins Bett und schwelge noch einmal kurz in Athen, bevor ich fest einschlafe.

...und am nächsten Tag zur Arbeit! *ggg*